Es scheint, dass all meine Freunde in unserem Dorf, die Kinder in Timon’s Alter haben, gerade jetzt
ein weiteres Kind zur Welt bringen. Einige haben ihr Baby gerade jetzt bekommen, andere stehen kurz
davor. Falls du dich fragst, ich bin nicht schwanger.


Gebären und planen unterscheidet sich hier sehr von uns. Sie können sich nicht wirklich entscheiden,
ob sie ein Kind jetzt wollen oder ein bisschen warten wollen. Es gibt hier draußen keine richtigen Geburtskontrollen, außer sie gehen in die Stadt und bekommen ein Implantat oder Ähnliches.


Einige Leute hatten auch so viele Kinder und wollen keine weiteren, einige hatten ernsthafte Komplikationen nach der Geburt, andere hatten mehr Tot- als Lebendgeburten. Dies ist ein Trauma für sie, wie auch für uns. Aber hier ist es noch lebensbedrohlicher. Wir trafen gerade einen Mann, dessen Kinder
alle bis auf eines gestorben sind. Nun in diesem Blog geht es nicht um Geburtskontrolle. Aber eine
Nebenbemerkung: wir planen, im Juli einen Arzt zu bekommmen, der Vasektomien ausführen kann, da
wir immer mehr Anfragen von einigen Kovol Leuten bekommen, die um Hilfe bitten, damit sie keine
Kinder mehr bekommen.


Heute besuchte ich eine Mamma, die am Morgen eine Geburt hatte. Ich ging mit Gerdine und unseren
Kindern dort hin. Ich war so glücklich, die Nachricht über ein neu geborenes Baby an diesem Morgen
bekommen zu haben. Es stellte sich heraus, dass sie gerade mit dem ganzen Geburtsvorgang fertig wurde. Die Mutter saß noch auf Blättern, auf denen sie ihr Baby geboren hatte. Eine andere junge Frau hatte das Baby in einem Bilum (traditionelle Netztasche in Papua-Neuginea), die über ihrem Kopf hing. Wir bekamen einen kurzen Blick auf das Baby und die Mamma, und verliesen den Geburtsraum, als der Vater des Kindes die Nachgeburt und das Blut begraben musste.

Vielleicht fragst du dich, wie sie die Kinder im Busch gebären? Nun, erst einmal gibt es hier keine Ärzte, keine Kontrollen, keine Immunisierungen, keinen genauen Geburtstermin und keine Medizin. Wenn man Kompikationen hat, versuchen sie zu überleben. Ich erfuhr gerade von einer Freundin, dass die Mutter ihres Mannes acht Kinder hatte. Alle bis auf zwei starben. Die Mutter starb mit der Geburt des letzten Kindes und ihr Ehemann wurde vor der Geburt des letzten Kindes getötet. Dies ist eine von vielen Geschichten.


Wenn die Mutter Rückenschmerzen bekommt, sagen sie, dass es Zeit für die Geburt ist. Meine Freundin
heute hatte Rückenschmerzen und das Fruchtwasser lief die letzten zwei Tage aus. Sie hatte die ganze
Nacht durch Wehen. Am Morgen ging der Ehemann hinter das Haus in den Busch und machte ein
Geburtsbett aus diversen Blättern. Ein Stock zum Halten wurde in den Boden gesteckt. Dann saß sie
da, bekleidet mit Rock und Hemd, und wartete auf ihre Wehen. Als das Baby kam, war sie alleine. Als ihr
achtes Kind zur Welt kam, schrie sie: ’es ist gekommen’, sodass andere kommen und ihr helfen würden.
Ein teil ihrer Plazenta, kam nicht, deshalb gaben die Frauen ihr Wasser zu trinken, schüttelten ihren
Bauch und entfernten mit einigen Blättern etwas von dem Mekonium (Kindspech – erste Ausscheidung)
des Baby. Ein paar Stunden später, als die Plazenta ganz raus war, hob sie das Baby auf, wusch es mit
Wasser und Seife, und durchschnitt die Nabelschnur mit einem glühenden Holzstück und einem scharfen
Messer, legte das Neugeborene in eine Netztasche und trug es herum. Der Vater des Kinders machte
ein Loch und begrub die ganze Nachgeburt samt den blutigen Blättern. Dann legen sie normalerweise
einige Holzblöcke und ein starkes Geflecht darüber, sodass die Schweine es nicht finden und fressen.
Falls sie es dennoch tun, verbieten die Gesetze das Schwein zu essen. Deshalb versuchen sie es zu
verhindern.


Die Mutter geht anschließend ins Haus und setzt sich an einen für sie vorbereiteten Platz. Sie bedecken
den Platz mit Blättern, die die Blutungen auffangen. Das Baby bleibt im Haus bis die Nabelschnur
abgefallen ist! Ihr Baby öffnete nicht die Augen, deshalb ängstigen sie sich, ob sie o.k. ist? Bis jetzt
haben sie es noch gesehen, dass es passiert ist. Aber dort gibt es keinen Doktor, den man fragen kann
und der das Baby untersucht.
Nun, ich habe guten Zugriff zu Ärzten über E-Mail, und auch über das Internet, wenn es Dinge gibt
über die ich nicht bescheid weiß. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie es für sie ist, nichts zu wissen
und so hilflos zu sein.


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