Unser Übersetzungsworkshop steht kurz bevor. Es fühlt sich unwirklich an. Jahrelang haben wir uns darauf vorbereitet. Es dauerte einige Jahre, bis wir ein Team gefunden und nach Kovol gezogen sind. Auch das Erlernen der Kovol-Sprache dauerte noch einige Jahre – oft fragten wir uns, wann wir es schaffen würden. Diesen Sommer haben wir uns intensiv mit der Sprache auseinandergesetzt. Ich habe Gott oft gebeten, uns diese Sprache zu schenken, aber auch, dass sein Wille geschehe, da er den großen Plan kennt. Und Gott hat uns in seiner Gnade im August die Prüfung bestehen lassen. Gott sei Dank! Wir haben noch so viel über Kultur und Sprache zu lernen, was uns helfen wird, das Evangelium klarer zu verkünden. Doch der Fokus hat sich verlagert. Philip arbeitet nun mit Hochdruck daran, seine Arbeiten zur Diskursanalyse vor dem Übersetzungsworkshop abzuschließen.

Oft kommen die Leute fast täglich zu uns mit irgendeinem Anliegen. In letzter Zeit sehen wir fast täglich Patienten aus medizinischen Gründen, obwohl wir einen speziellen Sprechtag haben. Viele kaufen Seife oder Wurmkuren. Oder wie heute: Manche sind zwei Stunden gewandert, nur um uns zu besuchen. Manchmal bringen sie auch einfach etwas von ihrem Obst und Gemüse mit. Sie sind so großzügig! Wir bekommen in letzter Zeit viele Gurken, Papayas und sogar Litschis. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie viel sie teilen. Einmal habe ich 19 Gurken auf einmal bekommen! Und ein anderes Mal hat meine Freundin Ningeram fünf Papayas zu uns allen getragen! Die sind echt schwer! Die Papayas hier sind riesig!

Ich liebe es, draußen zu sein, aber meine Zeit ist begrenzt, da ich mit Schulaufgaben helfen und auf die Zwillinge aufpassen muss. Kochen und Hausarbeit gehören auch dazu. Mein Hauptanliegen ist es aber, Philip so viel Freiraum wie möglich zu verschaffen, damit er sich konzentriert seinen Arbeiten widmen kann. Unsere Sprachgruppe ist nicht sehr groß, aber die Leute kommen gerne vorbei, was ich einfach toll finde! Was für ein Geschenk! Sie warten schon gespannt auf die Nachricht. Sie wissen, dass es bald soweit ist, dass die Ersten lesen und schreiben lernen. Auch für uns rückt der Beginn der Übersetzung von Gottes Wort immer näher. Aber wenn man Arbeiten schreiben muss und konzentriert arbeiten muss, ist das mit so vielen Kovol-Besuchern nicht einfach. Mit Kollegen vor Ort können wir uns abwechseln den Besuch zu sehen, aber im Moment sind wir auf uns allein gestellt. Deshalb geben wir wieder richtig Gas, sogar spät abends. Es ist ein Marathon. Wir schaffen das eine Weile, aber dann brauchen wir eine Pause.

Wir haben zwei Männer ausgewählt, die an unserem Übersetzungsworkshop teilnehmen werden. Sie werden in Übersetzungstechniken geschult. Einige angesehene Männer aus unserer Gegend planen, sich mit ihnen zusammenzusetzen und ihnen Tipps und Tricks zu geben oder sie zu motivieren. Nicht, dass sie wüssten, was genau passieren wird. Unser lieber Freund K. möchte auch unbedingt mitkommen. Nun ja, jeder freut sich wohl, ausgewählt zu werden. Aber K. ist eine echte Führungspersönlichkeit. Wir glauben, er möchte einfach nur sichergehen, dass alles gut läuft. So wie damals, als wir samstags die Spielstunde im Kinderclub hatten: Da war er immer überall und hat versucht zu helfen und dafür gesorgt, dass die Kinder sich benehmen. Diesmal muss er leider bei den anderen bleiben.

Die Vorfreude in unserer Gemeinschaft wächst. Alle warten gespannt, denn sie wissen, dass wir das erforderliche Sprachniveau erreicht haben und nun mit dem Unterrichten beginnen werden. Sie haben viel Zeit und Mühe investiert, um uns zu unterrichten. Jetzt ist es an der Zeit, das sie Lernende werden.
Wir werden die Rollen tauschen. Wir werden unterrichten, und sie werden die Schüler sein. Und sie können es kaum erwarten.
Während ich dies schreibe, frage ich mich: Wie steht es mit uns? Steigt unsere Vorfreude? Nein, ich spreche nicht von Weihnachten, sondern von der Vorfreude darauf, Jesus bald in der Luft zu begegnen. Er ist als Erster von den Toten auferstanden. Uns, seinen Kindern, ist gewiss, dass wir die Nächsten sein werden …


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